BGH Lugau steels long products for injection and valves facing the threat of the end of combustion engines (German)

Ein Stahlwerk, viele Chancen und ein gewaltiges Problem

Die Zukunft des Verbrennungsmotors ist zurzeit in aller Munde. Präzisionsteile dafür sind das Kerngeschäft der BGH Edelstahl. Die Lugauer bleiben in dieser Sache aber entspannt. Sorgen bereitet eine ganz andere Herausforderung. Lugau. Das BGH Edelstahlwerk in Lugau fertigt Präzisionsdrähte und Stabstahl. Beispielsweise Ventilstäbe für Einspritzsysteme von Verbrennungsmotoren. Diese Zulieferungen für die Automobilindustrie machen laut Geschäftsführer Udo Bialke etwa 75 bis 80 Prozent des Auftragsvolumens aus. Über die Zukunft des Verbrennungsmotors wird gerade ausführlich diskutiert. Bialke hebt diese Debatte rein gar nicht an: “Da bin ich absolut entspannt.” Für das eigene Produktportfolio sieht er in den nächsten zehn Jahre keine Probleme; darüber hinaus auch nicht wirklich. “Im Auto sind genug Drähte und Stäbe, Metall wird in der Automobilindustrie immer gebraucht”, sagt Bialke.

Sorgen bereitet ihm ein anderer Bereich: die Fachkräftegewinnung. “Da haben wir massive Probleme”, räumt Bialke ein. Dabei ist und war BGH Edelstahl in diesem Bereich keineswegs untätig. “Wir haben hier immer schon ausgebildet. Teilweise hatten wir bis zu 30 Auszubildende im Werk”, sagt Bialke. So seien stets Mitarbeiter ersetzt worden, die in den Ruhestand gewechselt seien. Dieses bewährte Erfolgsrezept zieht nicht mehr so ohne weiteres.

Bialke macht eine politische Entscheidung dafür mitverantwortlich: “Die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren beziehungsweise nach 45 Arbeitsjahren war ein Einschnitt. Wir hatten auf 65 Jahre geplant.” Zu den Mitarbeitern, die ohnehin in den Ruhestand gegangen wären, kamen noch die aus den zwei Jahren dazu. Plötzlich gingen im Werk damit mehr als 50 Prozent der Belegschaft auf die Rente zu.Das bedeutet für das Unternehmen eine Menge Wissensverlust und arge Probleme bei der Personalfindung. Bis 2019 wird dieser Umbruch noch andauern. Allein in diesem Jahr sucht die Firma noch acht neue Mitarbeiter. “Das sind bezogen auf den Produktionsbereich immerhin fünf Prozent. Künftig können es auch mal zehn Prozent werden”, sagt Bialke.

Doch es ist nicht dieser Umbruch allein, der das Unternehmen vor Herausforderungen stellt. “Wir sind ein Dreischichtbetrieb mit 15 Schichten in der Woche. Plus Zusatzschichten”, sagt Bialke. “Viele junge Leute sind nicht bereit, sich darauf einzulassen.”

Dabei sei das Unternehmen gut aufgestellt und wolle wachsen. 270 Mitarbeiter sind in Lugau zurzeit beschäftigt, das Unternehmen sei eigentümergeführt. “Mit einer Ersterwähnung im Jahre 1467 in Siegen”, ergänzt Bialke. Der Umsatz liege im dreistelligen Millionenbereich. So genau möchte er den nicht nennen. So relevant sei dieser auch gar nicht: “Umsatzzahlen sind reine Eitelkeit.” Doch das alles helfe in der aktuellen Situation wenig. Also muss die Politik tätig werden? “Die ist abgekoppelt und kann uns in dieser Sache nicht helfen”, betont Bialke.

Gesucht seien Industriekaufleute, Zerspaner/Verfahrensmechaniker Metallumformung und Werkstoffprüfer. Dazu sind Stellen als Anlagenbediener offen. “Uns bleibt nichts anderes übrig, als branchenfremde Mitarbeiter zu qualifizieren”, sagt Bialke. Das koste zwar Zeit, führe zu einer Schwächung der Fertigung, sei aber unumgänglich. Allerdings sei ein gewisses Verständnis für Metall und Freude an Sorgfältigkeit und präzisem Arbeiten Grundvoraussetzung. Heute lädt BGH Edelstahl zum Tag der offenen Tür. “Wir arbeiten hier hart zusammen, dann müssen wir auch mal ein Bier zusammen trinken”, sagt Bialke. Vielleicht lassen sich auch potenzielleBewerber blicken.

Der Tag der offen Tür findet heute zwischen 10 und 15 Uhr auf dem Werksgelände an der Gleisstraße 12 in Lugau statt. Ein Kinderprogramm und gastronomische Versorgung sind organisiert.

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